Tavernenabend: Katakomben

Nach mehreren Tagen Fußmarsch durch das Land Ruwenien befanden wir uns nun an einem Ort, wo weit und breit kein Dorf mehr zu sehen war. Müde und hungrig beschlossen wir noch eine Stunden zu gehen und es uns dann unter einem Baum gemütlich zu machen. Unser neuer Reisegefährte "Koliar", ein Schotte, den wir im letzten Dorf getroffen hatten, beschloss es uns ähnlich zu tun. Nichts wünschten wir uns lieber, als dass hinter der nächsten Biegung des Weges ein kleines Dorf mit einer Taverne auftaucht, in der wir gegen Musik etwas essen und trinken könnten. Andastra und Moira hatten ja inzwischen Jock das Trommelspielen beigebracht, und Koliar hatte unterwegs auch ein winzig kleines Seiteninstrument aus seiner Tasche gezogen und sich als sehr musikalsich erwiesen. Doch leider war kein Dorf in Sicht. Als wir dann aber zu später Stunde nur noch nach einem geeignetem Rastplatz im Freien suchten, tauchte auf einmal hinter einer Straßenbiegung tatschlich eine riesig große Taverne auf, die den Namen "Katakomben" trug. Wir wunderten uns sehr, denn es stand kein einziges Häuschen daneben. So eine riesige Taverne mitten im Nichts sind wir noch nie begegnet! Ohne lange nachzudenken gingen wir rein und drängten uns zum Wirt, denn die Taverne war, zu unserem großen erstauenen rappel voll.

Der Wirt freute sich sehr, als wir erzählten, dass wir eine Bardengruppe sind, und so kamen wir sofort ins Geschäft. Wir packten unsere Instrumente aus und legten sofort los. Andastra leitete auch ein paar Tänze an, sodass viele der Gäste tanzten und die Stimmung tobte. Es waren auch andere Leute da, die Musikinstrumente spielten: Ein junger Mann begleitete uns die ganze Zeit schwungvoll auf seiner Bodhran und Moik der Dudelsackspieler - den wir schon auf Mythodea getroffen hatten - spielte ab und zu auf seinem Dudelsack, dass nur noch Andastras Querflöte in höchsten Lagen überhaupt noch zu hören war. Koliar begleitete uns unermüdlich auf seinem Seiteninstrument, welches wegen seiner Größe großes Aufsehen erregte. So sangen wir zusammen mit den Gästen der Taverne "Nancy Whisky", "Jakobites by Name", "Star of the County Down" und "Seven drunken Nights" welches nun Jock mit besoffener Miene sang. Der Wirt gab uns zwischendurch heisse Würste zu Essen und süßen Met zu trinken, doch die arme Moira durfte wegen ihres dicken Bauches nur Wasser trinken. Dennoch war sie, genau so wie wir, sehr froh darüber, die Katakomben in dieser Nacht noch begegnet zu sein.

Zu später Stunde setzten wir uns noch eine Weile nach draussen, denn die Katakomben hatten auch einen schönen Hof, auf dem auch Menschen saßen und Met schlüften. Dort spielten wir unsere ruhigen Abendlieder, denn es war ja schliesslich schon tief in der Nacht und wir beenden unsere Auftritte ja immer mit sanfter Musik. Im Schein eines Feuers zupfte Andastra sanft die Seiten ihrer Harfe und etlockte ihr zauberhafte Klänge. Mit Jock zusammen sangen Andastra und Moira in dreistimmiger Weise "Will ye Go, Lassie, Go?", während Koliar verträumt lauschte. Müde von den vielen Abendliedern gingen wir dann alle zusammen in den Schlafsaal, fielen in die Betten und schliefen im nu ein.